Diaspora: Unverhoffte Freundschaft

Eine andere Hautfarbe, eine andere Sprache. OMF-Missionarin Christa Härdle findet in einer Afrikanerin eine neue beste Freundin. Ein Beispiel, wie Jesus Menschen und Kulturen verbindet.

Es ist Sonntagmorgen. In wenigen Minuten beginnt der Gottesdienst. Um mich herum lauter vertraute Menschen. Plötzlich macht sich hinter mir jemand an meinem Stuhl zu schaffen. Ich drehe mich um und schaue überrascht in zwei große, aufgeweckte Augen in einem dunkelhäutigen Gesicht.

Ein etwa zweijähriger Bursche blinzelt mich an und ich lächele zurück. Seine Mutter sitzt neben ihm, doch ihre Augen verraten Unsicherheit und etwas Angst. Als ich auch sie freundlich anschaue, entspannt sich ihr Blick. Ich flüstere ihr zu: „Lassen Sie uns nach dem Gottesdienst miteinander reden.“ Da beginnt schon das Programm.

Im Anschluss unterhalten wir uns. Ich lade sie zu mir ein. Sie berichtet, wie sie heute Morgen auf der Suche nach einer Kirche durch die Straßen wanderte, denn es sei ja Sonntag. Dann vertraut sie mir schreckliche Dinge an, die ihr widerfahren sind.

Seit diesem Tag verbindet uns eine Freundschaft, in der wir uns gegenseitig ganz praktisch unterstützen. Bin ich ein paar Tage unterwegs, gießt sie meine Blumen und hinterlässt die Wohnung anschließend so sauber und ordentlich wie möglich.

OMF fördert Freundschaften zu AusländernZweimal kam es schon vor, dass sie mich mitten in der Nacht anrief, weil sie mit einem ihrer beiden Kinder dringend ins Krankenhaus musste. Im Sommer trafen wir uns öfter zum Grillen. Mittlerweile besuchen ihre Kinder Schule und Kindergarten. Dadurch hat sie mehr Zeit, ihre Sprache zu verbessern, obwohl sie schon recht gut Deutsch spricht.

Traurig machte es mich, als sie mir kürzlich offenbarte, dass ich die Einzige sei, die ihr das Gefühl gäbe, nicht „nur Ausländerin“ zu sein.

Lasst uns unsere Unsicherheit und Angst im Umgang mit Menschen, die eine neue Heimat brauchen, ablegen. „So sehr hat Gott die Welt geliebt“ – auch den Ausländer vor meiner Haustüre. Wir wollen ihnen mit Wertschätzung und der bedingungslosen Liebe Jesu begegnen.

Erwarten Sie unverhoffte Freundschaften.

Christa Härdle

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