Ade und Penny finden sich

Intakte Familien gibt es kaum in Taiwan. Auch Ade und Penny haben Angst vor einer festen Beziehung. Elisabeth Weinmann, OMF Taiwan, erzählt ihre Geschichte.

Taiwan hat eine sehr hohe Scheidungsrate. In unserer ersten Gruppe für Verkäufer und Verkäuferinnen kam kein einziger Teilnehmer aus einer gesunden Familie. Alle hatten ein zerbrochenes Elternhaus oder eine kaputte Ehe hinter sich.

Ade und Penny, OMF Taiwan

Ade und Penny trauen sich

Auch in unserer Gruppe in Taipei gab es lange kein einziges Ehepaar, sondern nur alleinstehende Mütter oder Väter mit ihren Kindern.

Doch in den letzten fünf Jahren konnten drei Paare getraut werden. Fünf Kleinkinder wachsen jetzt in einer gesunden christlichen Familie auf.

Ade und Penny sind das vierte christliche Paar. Die Hochzeit war Ende November 2016. Dies ist ihre Lebensgeschichte.

Zu allen Göttern gebetet, bis auf einen

Ade ist Verkäufer in einem Einkaufszentrum im „Taipei 101“, einem der größten Hochhäuser der Welt. Seine Eltern sind eifrige Buddhisten. Die Mutter geht jeden Tag in den Tempel, um von den dortigen Götzen Segen für ihren Sohn zu erbitten. Der Vater liest viele Stunden am Tag Gebete und Weisheitssprüche aus seinem buddhistischen Gebetsbuch.

Ade geht in den Fußtapfen seiner Eltern. Er bringt seine freie Zeit in den Tempeln zu. Doch ein Gedanke wird in ihm immer stärker. Er hat zu allen Göttern, die es nur gab, gebetet. Nur einer fehlt noch: der Gott der Christen.

Um diese Zeit kommt eine neue Kollegin in seine Abteilung. Sie ist Christin und lädt ihn ein, in den Bibelkreis zu kommen. Ade folgt ihrer Einladung. Ein Jahr später lässt er sich taufen. Bald darauf zieht er bei seinen Eltern aus und in unser Männerwohnheim ein. Er will selbstständig werden. So lernt er bei uns, für sich selber und für andere zu sorgen.

Gewalt – und wo ist Gott?

Penny gehört zu dem Bergstamm „Taiya“ an der Ostküste Taiwans. Pennys Großmutter und Mutter sind Christen. Der Vater war in jungen Jahren ein gefürchteter Kopfjäger. Oft ist er zu seiner Frau und den Kindern gewalttätig. Penny ist das älteste von sieben Kindern. Sie muss hilflos zusehen, wenn er betrunken nach Hause kommt und seine Frau schlägt. Am Sonntagmorgen verbietet er der Familie oft, in die Kirche zu gehen.

Penny wächst mit vielen Zweifeln an Gott auf. Gibt es Gott? Liebt er die Menschen wirklich? Falls ja: warum bewahrt er ihre Mutter nicht vor den Schlägen des Vaters?

Familienelend

Dorfmädchen in der großen Stadt

Sie zieht in die Hauptstadt Taipei, um Friseurin zu werden. Doch sie ist nicht auf die vielen Versuchungen des Großstadtlebens vorbereitet. So ist ihr Leben neben der Arbeit bald ausgefüllt mit Alkohol, Männer und Drogen. Dies bringt sie auch in finanzielle Bedrängnis. Doch wenn sie an Zuhause und an ihre Großmutter denkt, die täglich viele Stunden für sie betet, regt sich ihr Gewissen.

Angst und Sehnsucht

Penny ist geschickt in ihrem Beruf. Sie findet Arbeit in einem Friseursalon im selben Einkaufszentrum wie Ade. Mit ihr arbeiten zwei Christinnen aus unserer Gemeinde für Verkäufer und Verkäuferinnen. Sie laden Penny in die Kleingruppe und zum Nachtgottesdienst ein. Sie weigert sich, zu kommen. Sie weiß: wenn sie sich Gott öffnet, muss sie ihr ganzes Leben ändern. Jesus? Angst und Sehnsucht kämpfen in ihr.

Die Christinnen lassen in ihrer Fürsorge für Penny nicht nach. Schließlich kommt sie zu einer Weihnachtsfeier, die in einem Getränkerestaurant an der U-Bahn Station stattfindet. Das ist der Beginn der Rückkehr zu ihrem Vater im Himmel. Sie bricht mit ihrem alten Leben und zieht schließlich in eine Wohngemeinschaft für Frauen ein.

Heilung auf mehreren Ebenen

Einige Zeit später bekommt Penny die Nachricht, dass ihr Vater einen Unfall hatte. Er war betrunken mit dem Motorrad gefahren und schwer verunglückt. Es gibt keine Hoffnung mehr, dass er jemals wieder gehen kann.

Ade, Penny und ich besuchen ihn in der Klinik in Taipei. Der Vater ist total ans Bett gebunden. Doch jetzt können wir ihm das Evangelium erklären. Anschließend bittet er uns, für ihn zu beten. Wir trauen unseren Ohren nicht, als er plötzlich selber betet. Er bekennt seine Sünden und nimmt Jesus als Retter und Herrn in sein Leben auf.

Wir können es kaum glauben: nach einigen Monaten kann er wieder selbständig laufen. Als er wieder in sein Dorf zurückkehrt, lässt er sich taufen. Jeden Sonntag geht er nun mit seiner Frau zum Gottesdienst. Neuer Friede ist in diese Familie eingekehrt.

Gemeinsames Leben wagen?

Ade und Penny lernen sich immer besser kennen. Sie merken mehr und mehr, wie sich das Leben des anderen verändert. Außerdem spüren sie die Hand Gottes, der sie offensichtlich zusammenführte, um ihm gemeinsam zu folgen.

Doch beide haben auch Ängste vor einem gemeinsamen Leben. Ade sorgt sich, ob das Geld reicht, da Penny noch Schulden zurückzahlen muss.

Penny steht die Vergangenheit im Weg. Ihre Erfahrungen im Elternhaus und die vielen ehemaligen „beziehungslosen Beziehungen“ zu Männern machen ihr Sorge. Außerdem befürchtet sie, dass Ades Mutter weiterhin Kontrolle über ihren Sohn und seine Ehe ausüben wird.

Schließlich trauen sie sich. Im November 2016 geben sie sich in unserer Gemeinde das Jawort.

Das Gebet für sie ist, dass ihre Liebe zueinander immer mehr wächst und dass Jesu Liebe alle Furcht überwindet. Beten Sie mit?

weinmann-portraitElisabeth Weinmann lebt seit 1986 in Taiwan. In ihrem Dienst dreht sich alles um Menschen im Dienstleistungsbereich, die meist auch sonntags und abends bis 22 Uhr arbeiten müssen.

Nachtgottesdienste, unorthodoxe Kleingruppen und Wohngemeinschaften prägen die Gemeinde.

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