Sola gratia – Allein durch Gnade

Ein Japaner hatte sein Kurzzeitgedächtnis verloren. Nichts konnte er sich merken. Kann man sich so zu Jesus bekehren?

Jeden Sonntag kam Herr Kameyama zum Gottesdienst der kleinen japanischen Gemeinde in Kanagi. Sein Gesicht war hinter einer medizinischen Maske versteckt, aber die Augen blinzelten fröhlich.

„Es tut mir leid. Ich habe alle eure Namen vergessen. Ich war lange krank und habe dabei mein Kurzzeitgedächtnis verloren. Meine Frau war die einzige, die mich regelmäßig besucht und umsorgt hat. Ich möchte nun ebenfalls an ihren Gott glauben und in den gleichen Himmel kommen wie sie.“

Seine Frau betete 20 Jahre lang

Fast jeden Sonntag erzählte er uns seine Geschichte. Über ein Jahr lang hatte er mit Leukämie im Krankenhaus gelegen. Einige Male stand sein Überleben auf Messers Schneide. Seine Frau, ein treues Gemeindeglied, hatte über zwanzig Jahre lang gebetet, dass ihr Mann zum Glauben kommen würde. Sie hatte selbst erlebt, wie Jesus sie durch Schwäche und Krankheit getragen hatte. Schon mehrmals hatte sie unter starken Depressionen gelitten, hielt aber trotz langer Klinikaufenthalte an der Liebe Christi fest.

Wieviel muss man begreifen?

Nun endlich war ihr Mann offen, mit ihr über den Glauben zu reden. Wir trafen uns zu einem einfachen Glaubenskurs. Herr Kameyama hatte Mühe, den Gedanken zu folgen, begriff aber, was Jesus für ihn getan hatte. Zuhause wiederholte Frau Kameyama den Inhalt meist noch drei bis vier Mal mit ihm, aber leider konnte er sich einfach nichts merken.

Eine fröhliche Taufe

Dennoch hielt er daran fest, dass er an den Gott seiner Frau glauben wollte. Im Wissen, dass wir alle „allein durch Gnade“ gerettet sind, nahmen wir als Gemeinde diesen kindlichen Glauben ernst. So wurde seine Taufe ein fröhliches Fest!

Jesus lebte in ihm

In den kommenden Jahren prägte seine kindliche Fröhlichkeit unseren Gottesdienst. Ab und zu kamen noch alte Lebenseinstellungen hoch, die mehr buddhistisch und schintoistisch als christlich geprägt waren. Trotz allem sahen wir, wie Jesus in ihm lebte.

Wenige Jahre später erlag er einer schweren Lungenentzündung. Er war vorausgegangen in den „Himmel seiner Frau“ und dem liebenden Vater zu begegnen, der ihn in seiner Gnade angenommen hatte.

Armin und Heike Messer sind seit 2002 in Japan. Sie arbeiten in der Gemeindegründung und leiten die OMF-Arbeit im Großraum Tokio.

Thema: Soli Deo Gloria – Allein Gott gehört die Ehre

Das “Ostasiens Millionen” ist das Infomagazin von OMF Deutschland. Darin werden Geschichten und Themen aus den Ländern Ostasiens erzählt und behandelt.

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