Singles: Leben in Spannung

Die Schweizerin Damaris Mörker lebt seit 2002 in Thailand. Die ersten Jahre lebte sie in Nordthailand und arbeitete dort in einer Gemeinde mit. Heute leitest du das Missionshaus in Bangkok. Wir wollten von ihr wissen: ist es nicht sehr spannungsreich, als ledige Frau im Ausland zu leben?

  1. Damaris, hattest du vor, langfristig in Thailand zu bleiben, als du damals Single ausgereist bist?

Ja, Langzeitmission war von Anfang an meine Vision. Allerdings wollte ich nicht „Langzeit- Single“ sein! Auch nach fast 10 Jahren in Thailand habe ich nicht vor, dauerhaft in die Heimat zurückzukehren. Doch eins habe ich gelernt: Es kann sich schnell etwas ändern. Da braucht es Offenheit.

  1. Wie reagierten deine Eltern auf die Berufung ins Ausland?

Meine Eltern standen von Anfang an hinter mir. Es war ihr Gebet, dass ihre Kinder einmal in den vollzeitlichen Dienst gehen würden. Allerdings haben sie mir das erst im Nachhinein gesagt. Obwohl meine Eltern jetzt beide älter sind, haben sie mir bei meiner letzten Ausreise deutlich gemacht, dass ich nicht wegen ihnen Zuhause bleiben sollte. Sicher wäre es für sie einfacher zu wissen, wenn ich verheiratet wäre und jemanden an meiner Seite hätte.

  1. Was sind die Stärken einer alleinstehende Frau in der Gemeindearbeit?

Ein großer Vorteil liegt darin, dass ich Damaris mit Köchin kleinermeine Zeit viel freier gestalten kann, da ich nicht durch Familie gebunden bin.

Ich kann Freunde besuchen, wann immer es mir passt und muss nicht auf den Zeitplan von Mann oder Kindern Rücksicht nehmen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich auch eher eingeladen werde, da ich ja alleine komme, ohne „Anhang“.

Im Sprachstudium war ich gezwungen, selbst zu reden. Ich konnte keinen Ehepartner „vorschieben“, der die Sprache eventuell besser sprechen könnte als ich.

Gerade in der Gemeindearbeit fühle ich mich mehr herausgefordert. Ich muss auch
Dinge tun, die eine Ehefrau eher ihrem Mann überlassen würde.

  1. Gibt es besondere Herausforderungen für dich als ledige Missionarin?

Die große Herausforderung ist immer wieder, Dinge alleine machen zu müssen. Der Austauschpartner fehlt, der jederzeit ein offenes Ohr für einen hat. Gerade wenn man neu im Land ist und die Sprache noch nicht gut versteht, wäre es hilfreich jemanden zu haben, mit dem man beraten und austauschen kann.

Auch im Sprachstudium muss man sich selber motivieren, dran zu bleiben.

Durch das Alleinsein wird jedoch die Beziehung zu Gott stärker, da man sich immer wieder neu bewusst darüber wird, dass man allein von Ihm abhängig ist.

  1. Wenn du deine Situation mit der anderer Singles in deiner Heimat vergleichst: gibt es Unterschiede?

Thailand Street9Im Heimatland hat man bereits ein soziales Netzwerk, Familie und Freundeskreis. In einem neuen Land muss man ganz von vorne anfangen. Man ist am Anfang wirklich auf sich allein gestellt.

In der Heimat hat man mehr Möglichkeiten, etwas mit Freunden zu unternehmen. Auch wenn im neuen Land neue Freundschaften entstehen, leben diese Freundinnen manchmal zu weit entfernt, um regelmäßig etwas mit ihnen zu unternehmen. Das ist z. B. bei der Urlaubsplanung schwieriger.

Zuhause hätte man einen größeren Kreis, aus dem man Leute für einen gemeinsamen Urlaub gewinnen könnte. In der Mission ist dieser Kreis einfach kleiner und baut sich erst über Jahre auf. Aber hier wie da geht es darum, dass man gemeinsame Zeit mit anderen gut organisiert und plant.

  1. Mittlerweile bist du zum dritten Mal zu einem Einsatz nach Thailand zurückgekehrt. War diese Entscheidung schwierig für dich?

Bei der dritten Ausreise war es einfacher, ein Ja zu finden. Doch musste ich nach wie vor erst einmal dieses Ja finden. Und das war wie immer eine umkämpfte Entscheidung.

  1. Was hat dir geholfen, erneut als Single nach Thailand zu kommen?

Diesmal hat es mir geholfen zu wissen, wo ich hinkomme. Ich wusste, was meine Aufgabe sein würde, und dass ich in einem Team arbeiten würde.

In meinem ersten Heimataufenthalt war ich allerdings darauf fixiert, einen Ehepartner zu finden. Ich hatte nicht den Wunsch, noch einmal ohne Mann nach Thailand auszureisen.

In einem Seminar zerschlug ich eine schöne Porzellankanne, die alle meine Wünsche repräsentierte. So gab ich mich ganz in Gottes Hand. Denn nur Gott kann mich versorgen und meine Wünsche und mein Verlangen stillen.

Auch im zweiten Thailand CarHeimataufenthalt halfen mir Gespräche und Coaching, eine neue Ausrichtung zu finden.

Ich wurde zu Stillen Tagen eingeladen. Da ich eine sehr kontaktfreudige Person bin, war das kein leichtes Unternehmen. Doch ich ging. Es war sehr wertvoll, viel Zeit mit Gott zu verbringen.

In diesen Tagen sprach Gott deutlich zu mir und sagte:, „Ich kann dir viel mehr geben, als ein Ehepartner es könnte.“

Ich wusste, dass in dieser Zeit viele Leute für mich beteten. Zur gleichen Zeit war „zufälligerweise“ eine gute Freundin im selben Zentrum, mit der ich mich einmal am Tag traf. Auch das war sehr wertvoll.

Gott hat mir die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt zur Seite gestellt. Das habe ich immer wieder erlebt. Im Rückblick fanden in beiden Heimataufenthalten wichtige Vorbereitungen statt, um nun zum dritten Mal nach Thailand auszureisen. Die Erlebnisse im ersten Heimataufenthalt haben mir geholfen, nicht darauf verbissen zu sein, einen Partner zu finden.

Im zweiten Heimataufenthalt wurde mir neu bewusst zu lernen, ruhig zu bleiben und Zeit allein und allein mit Gott zu genießen. Man muss Zeit nicht deshalb alleine verbringen, weil man ledig ist, sondern weil es „an sich“ wertvoll sein kann.

Es ist mir ganz wichtig geworden auch jetzt immer wieder Zeiten der Stille mit Gott zu pflegen. Nicht nur, wenn es um große Entscheidungen wie die Wiederausreise geht, sondern einfach, um die Zweisamkeit mit Gott zu erleben.

  1. Du tauschst dich gerne mit anderen ledigen Missionarinnen aus. Machen andere ähnliche Erfahrungen wie du?

Damaris mit Hund kleinerIch verarbeite Dinge, indem ich darüber rede.

Daher suche ich gerne den Austausch gerade mit Singles. Andere machen ähnliche Erfahrungen wie ich, doch jede geht anders damit um.

Ich treffe viele Singles, die gerne verheiratet wären. Einsamkeit ist immer ein Thema. Aber es gibt auch einige, die gerne und bewusst Single sind.

Auf einer Konferenz hatte ich über meine Erlebnisse im ersten Heimataufenthalt geredet. Darauf bekam ich zustimmende Reaktionen von den anderen ledigen Missionarinnen.

Manche kämpfen damit, sich allein als Ganzes vor Gott zu sehen. Sie denken, erst wenn sie einen Ehepartner hätten, wären sie komplett. Mit diesem Gedanken hatte ich nie ein Problem. Ich brauche keinen Mann, um mich von Gott oder von Menschen als Ganzes angenommen zu fühlen.

Vielen Dank für deine Offenheit.

Das Interview mit Damaris Mörker führte Eva-Maria Göttmann.

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