Schule für Verlierer

Beate Harr hat ein großes Herz für Taiwans Schüler. Sie berichtet von ihrer Arbeit.

OAM: An was für Schulen bist du tätig?

Beate: Ich gehe bewusst in Schulen, die bei Taiwanesen aufgrund eines niedrigen Bildungsniveaus keinen guten Ruf haben. Ein Großteil der Schüler kommt aus kaputten Familien der Arbeiterschicht. Von Grundschule bis Berufsschule ist alles dabei.

OAM: Was öffnet dir die Türen?

Beate: Ich arbeite mit CHAMPIONS, einer Taiwanesischen christlichen Organisation. Deren Lehrprogramm ist vom Bildungsministerium als “Lebenserziehung” anerkannt und empfohlen. Viele Schulen nehmen diese Kurse gerne an.

Darin wird z. B. der Umgang mit Emotionen und Problemen behandelt oder das Thema „Wahre Liebe wartet“. In zwei anderen Schulen bin ich auf Einladung einer gläubigen Lehrerin und biete auf freiwilliger Basis kreative Workshops zu Lebensthemen der Schüler an.

OAM: Wie viel kannst du in der Schule von Gott erzählen?

Art 7 Schüler auf der Straße kleiner

Art 7 Beate mit Junge und Mutter kleiner

Beate: Ich sage immer am Anfang des Semesters, dass wir Mitarbeiter Christen sind und dass wir bei den verschiedenen Themen natürlich auch aus unserem Leben und von unserem Glauben erzählen.

Das Evangelium fließt ganz natürlich in den Unterricht mit ein, durch Zeugnisse, Geschichten oder an Festtagen wie Weihnachten und Ostern. Über Facebook und nach dem Unterricht versuche ich, tiefere Beziehungen aufzubauen, um die Schüler in ihren Fragen und Kämpfen zu begleiten.

OAM: Was ermutigt dich in deinem Dienst?

Beate: Wenn Jugendliche plötzlich Hoffnung finden und zu glauben anfangen, ist das eine meiner größten Ermutigungen.

Letzte Woche schrieb ein Mädchen: “Danke für all deine Liebe, für alles was du weitergegeben hast. In jeder Unterrichtsstunde habe ich in meinem dunklen Leben einen Stern aufgehen sehen. Durch dich habe ich einen Sinn in meinem Leben gefunden. Ich hatte Selbstmordgedanken, aber die sind jetzt verschwunden.”

OAM: Gibt es auch Frust?

Beate: Zweimal hatte ich Schüler, die sehr gestört haben und überhaupt nicht zu einer Teilnahme am Unterricht zu begeistern waren.

Ich wusste, dass sie aus Problemfamilien kamen und schlechten Umgang hatten. Trotz allem freute ich mich, dass sie in meinem Unterricht waren. Doch dann waren sie plötzlich “verschwunden”.

Art 7 Schüler vor Schule kleiner

Art 7 Schüler im Tempel kleiner

Entweder hatten die Eltern sie einfach von der Schule genommen oder die Schule hatte die Eltern gebeten, ihre Kinder an eine andere Schule zu schicken.

Dass diese Jugendlichen einfach so abgeschoben wurden und ich überhaupt keine Gelegenheit mehr gehabt hatte, mit ihnen zu reden oder ihnen etwas mit auf den Weg zu geben, hat mich sehr geschmerzt.

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