Wenn Kultur lebensgefährlich wird

Die Geburt des ersten Kindes ist in einigen asiatischen Gesellschaften ein einschneidendes Erlebnis, mehr als im Westen. Sie ist für die Mutter eine Initiation, ein Aufstieg in einen “neuen Zustand”. Das erste Kind macht sie die Mutter den Augen der Gesellschaft zur reifen Frau.

Dies ist so wichtig, dass eine Reihe von gesellschaftlichen Regeln und Verboten („Tabus“) damit verbunden sind. Doch manche Tabus können lebensgefährlich werden.

Ein Mitarbeiter in China berichtet:

„Im Mai traf ich eine 23jährige Mutter. Ihr drittes Baby war gerade zwei Monate alt. Wir nahmen sie im Krankenhaus auf, weil sie vor Muskelschwäche keinen Schritt mehr laufen konnte. Die Ursache war ein extrem niedriges Kalium. Warum?

Leckeres Obst und Gemüse ist lebensnotwendig!

Leckeres Obst und Gemüse ist lebensnotwendig!

Zur Kultur dieser Volksgruppe gehören sehr strenge Essensregeln, die Schwangeren und jungen Müttern auferlegt werden, um die Geister nicht zu verärgern.

Deswegen lebte die Frau zwei Monate lang nur von Reis. Sie durfte weder Schweine- noch Hühnerfleisch essen. Ein Jahr lang sind Obst, Gemüse und Fruchtsäfte tabu.

Der daraus resultierende niedrige Kaliumspiegel kann lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Dann ist nur noch ein Säugling übrig, aber keine Mutter, die ihn stillen kann…“

Ähnliches erlebten Joachim und Marlen König in Kambodscha:

„Die hiesige Kultur verbietet es stillenden Müttern in den ersten Monaten, Obst und Gemüse zu essen. Man glaubt, diese bringen den inneren „Energiehaushalt“ durcheinander. Die Folge ist, dass bereits nach kurzer Zeit bei Mutter und Kind gefährliche Mangelerscheinungen auftreten.

Wir hielten uns nicht an diese Regeln. Kaum waren unsere Töchter Evelyn und zwei Jahre später Bianca geboren, aß Marlen alles, was ihr gut tat. Am wichtigsten waren ihr Vitamine, die im leckeren kambodschanischen Obst und Gemüse reichlich vorhanden sind. Marlen wurde nicht krank. Die Kinder gediehen prächtig.

Unsere Haushilfe beobachtete unser Verhalten über die Jahre sehr genau. Dann kam der Tag, an dem sie sich Marlen anvertraute:

„Ich sehe, dass du dich nicht an unsere Tabus hältst. Trotzdem sind deine Kinder gesund und du auch. Ich glaube, wir sollten auch damit aufhören. Dir schadet es nicht. Ich werde es ab jetzt so machen wie du!“

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