Begegnung im Eis japanischer Berge

Ich befand mich nur wenige Meter unter dem Gipfel des Mount Yotei. Die Sicht verschlechterte sich innerhalb von Sekunden. Der Wind nahm zu und die Temperatur sank deutlich. Auf diesem aktiven Vulkan im Norden Japans hatte Jörg-Peter Koch eine besondere Begegnung.

Jörg Peter Koch Eis im BartDie Wolken zogen sich schnell zusammen. Ich wechselte meine schweißgetränkte Thermounterwäsche und zog mir trockene, warme Kleider an. Ich befand mich nur wenige Meter unter dem Gipfel des Mount Yotei, mit Eiszapfen in meinem Bart. Dieser aktive Vulkan ist 1989 m hoch und ähnelt mit seiner Kegelform dem Mount Fuji.

Meine beiden Freunde und ich zitterten immer noch, aber waren nach kurzer Pause bereit für die Abfahrt. Plötzlich sah ich in einiger Entfernung eine Person, die auf allen Vieren den Berg hinaufkroch. Ich war ziemlich überrascht, denn der Aufsteiger kletterte weitab der eigentlichen Wanderroute, allein und offensichtlich ohne Schneeschuhe, Ski oder Snowboard. Weil das Wetter immer schlechter wurde, wusste ich, dass sich der Berg für einsame Wanderer sehr leicht in eine Todesfalle verwandeln konnte. Nach einigen schnellen Kurven auf unseren Snowboards erreichten wir die Person. Wir konnten nicht glauben, was wir sahen.

Mount Yotei JapanDer junge Mann hatte nur Gummistiefel, Gartenhandschuhe, einen normalen Winterparka und einen Schal um den Kopf gewickelt, eine absolut ungeeignete Ausrüstung für die Berge. Sofort boten wir Hilfe an. Da er keine Vorräte mitgebracht hatte, stürzte er sich auf unser letztes Sandwich an und trank unsere Wasserflasche aus. Während er das leckere, mit Speck, Avocado und Eiern belegte Sandwich verschlang, rügte ich ihn heftig für seine unüberlegte Aktion. Danach erkundigte ich mich, warum er überhaupt auf dem Berg sei.

Er erzählte, dass seine Freundin ihn verlassen habe. Aus Kummer habe er zwei Tage gefastet und sich dann entschieden, auf der Suche nach einer spirituellen Erfahrung den Mount Yotei zu besteigen. Er hoffte auf eine Erweckung oder eine Art von Erleuchtung.

Das hatte ich nicht erwartet. Ich bestätigte ihm, dass er genau zur richtigen Zeit an den richtigen Ort gekommen sei, denn Gott habe ihn mit den richtigen Personen zusammen gebracht. Ob es in Ordnung sei, für ihn zu beten? Ja, natürlich. Er war überglücklich.

Zuerst konnte ich vor Rührung kaum reden, doch als ich mit feuchten Augen und einer wackeligen Stimme zu beten begann, kamen die Worte wie von selbst. Ich dankte Gott für seine erstaunliche Liebe zu diesem jungen Mann. Ich lobte ihn, dass er diese unglaubliche Begegnung mitten im Nirgendwo, auf einem gefrorenen Klumpen Schnee und Eis organisiert hatte, weil er seine Liebe offenbaren wollte. Nach dem Gebet erklärte ich das Evangelium und bestätigte nochmals, wie sehr Jesus ihn liebt.

Bevor wir uns trennten, zeigten wir unserem neuen Bekannten den richtigen Weg ins Tal. Beim Abschiednehmen bestätigte er, dass er nie vergessen werde, wie Gott sich ihm heute offenbart habe. Jesus liebe ihn mehr, als er sich je hätte vorstellen können. Wie wahr!

Jörg-Peter Koch, OMF Japan

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