Japan: Ostern ohne Jesus 

Ich sitze in Sapporo in meiner kleinen Wohnung und trage die Jahrestermine in den neuen Kalender ein. „Wann ist dieses Jahr Ostern?“, frage ich mich und starte eine Google-Suche.  

Foto von Sina

Seit ich in Japan lebe, vermerke ich christliche Feiertage handschriftlich, damit ich sie ja nicht vergesse. 

Weihnachten ist im eher tristen Winter in allen Kaufhäusern präsent. Zynische Zungen könnten behaupten, Weihnachtsmärkte hätten sich etabliert, um den Konsum noch mehr anzutreiben.  

Doch im März und April wird der Frühling zelebriert – mit all seinen Düften, Farben und Geschmäckern. Viele japanische Feiertage und Events fallen in diese Jahreszeit. Deshalb fällt Ostern nicht auf. Es gibt schließlich nur ca. 1 % Christen, keine Osterferien für Kinder, keinen Feiertag und kaum Schokoladen-Ostereier im Supermarktregal. 

Die Osterzeit stellt in meiner Wahrnehmung christliche Gemeinden vor große Herausforderungen. Warum?  

Im März erfahren japanische Angestellte, ob sie in eine andere Stadt versetzt werden. Sie müssen dann meist innerhalb von nur zwei Wochen umziehen.  

Im April beginnt für die Kinder das neue Schuljahr. Gleichzeitig würdigt man die Kirschblüte mit Ausflügen und Picknick. Wie kann man in dieser geschäftigen und herausfordernden Zeit Ostern feiern? 

In Japan sind die Gemeinden klein. Jeder arbeitet irgendwie mit. In der Gemeinde, in der ich während dem Sprachstudium war, wurde deshalb Wert daraufgelegt, die Gemeindeglieder in dieser Zeit nicht mit noch mehr Events zu belasten.  

Die Ereignisse der Karwoche wurden an mehreren Sonntagen erzählt. Der Ostergottesdienst war auf die Auferstehung ausgerichtet. Anschließend wurde gemeinsam gegessen. Der Ostersonntag ist ein Tag mit viel Freude und Gemeinschaft – wie eigentlich jeder Sonntag.  

Vielleicht mag das aus deutscher Perspektive nüchtern klingen. Doch seit ich in Japan bin, ist mir die christliche Perspektive von Ostern viel präsenter.  

In Deutschland habe ich zwischen bunter Dekoration, aufwendigem Familienfrühstück und Lindt-Hasen den geistlichen Aspekt oft nicht gespürt. Hier in Japan werden mir andere Aspekte von Ostern deutlich. Zum Beispiel der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung von Christen oder das Gefühl von Erleichterung und abfallender Anspannung nach einer herausfordernden Zeit. 

Sina Schönrank 

Sina arbeitet seit November 2022 in der Harvest Church Tokyo in einem interkulturellen Team. 

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