Interkulturelle Mitarbeiter verstehen und begleiten

“Missionare werden doch sicherlich niemals depressiv?!“, platzte ein Zuhörer heraus, als ich meinen Vortrag über meine Arbeit als internationale medizinische Beraterin bei OMF beendet hatte. Diese Aussage, als Frage getarnt, zeigte, dass dieser langjährige Unterstützer sich nicht vorstellen konnte, dass auch engagierte Christen unter solchen Problemen leiden können.

Dieses Erlebnis zeigt, wie oft Missionare auf ein Podest gestellt werden und als „anders“ gelten, irgendwie immun gegen Krankheiten, mit denen andere Menschen zu kämpfen haben. Aber auch Missionare sind nur Menschen. Auch sie werden krank und kämpfen mit körperlichen und psychischen Problemen.

Ihre Herausforderung ist, mit diesem Schwierigkeiten in einem fremden interkulturellen Umfeld zu leben. In ihrem Einsatzland ist das Gesundheitssystem oft schlechter als im jeweiligen Heimatland. Als Missionare können sie auch nicht auf Leistungen zurückgreifen, die Diplomaten oder Mitarbeitenden in multinationalen Unternehmen zur Verfügung stehen.

Herausforderungen kulturübergreifender medizinischer Erfahrungen

Jede Kultur hat andere Haltungen in Bezug auf Gesundheitsversorgung und unterschiedliche Gesundheitssysteme. In einigen Ländern ist die Versorgung hoch entwickelt und wird mit gut ausgebildeten Ärzten und modernster Technologie effizient betrieben. In anderen Ländern ist zwar das Niveau der medizinischen Ausbildung hoch, aber der Zugang zu modernen Medikamenten und Verfahren ist begrenzt. Anderswo ist die Gesundheitsversorgung stark eingeschränkt.

“Gestresst, verletzt und ausgebrannt“ (Originaltitel: Honourably Wounded) ist der Titel eines wegweisenden Buches von Dr. Marjory Foyle, einer Pionierin der medizinischen Mitarbeiterbetreuung. Der Titel weist auf die Realität hin, dass man sich auf dem „Schlachtfeld des Missionsdienstes“ Verwundungen zuziehen kann, die zum Rückzug zwingen.

Durch gute medizinische Betreuung soll Fluktuation minimiert werden. Mitarbeiter werden geschützt, damit sie langfristig und effektiv im Dienst bleiben können.

Um eine gute medizinische Versorgung der Mitglieder zu gewährleisten, ist eine kluge Vorgehensweise erforderlich. Dies beginnt bereits zu Hause, vor der Entsendung. Wenn ein Missionar ein gesundheitliches Problem hat, muss geprüft werden, wie schwerwiegend das Problem ist, welche medizinische Versorgung am Einsatzort zur Verfügung steht und ob die Risiken für die Gesundheit den möglichen Dienst nicht beeinträchtigen. Außerdem müssen mögliche Auswirkungen des Problems auf die Arbeit des gesamten Teams berücksichtigt werden.

All diese Fragen müssen im Gebet bewegt werden. Dabei darf man nicht vergessen, dass selbst der Apostel Paulus einen „Stachel im Fleisch“ hatte (2. Korinther 12,7). Ein ähnliches historisches Beispiel ist der George Stott 1, ein schottischer Landwirt. Er hatte ein Bein verloren, aber war trotzdem von Gott nach China berufen und verrichtete dort einen fruchtbaren Dienst. Sein Motto war: „Die Lahmen werden Beute machen!“ (Jesaja 33,23).

Gute medizinische Betreuung zielt darauf ab, Mitarbeitende in die Lage zu versetzen, effektiver und länger zu arbeiten, die Gesundheit zu verbessern und die Schwundrate zu minimieren.

Magersucht, Asthma, Krebs, Depressionen, Diabetes, Bluthochdruck, besondere Bedürfnisse von Kindern, Lernschwierigkeiten, Komplikationen in der Schwangerschaft – die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Wie also kann die entsendende Gemeinde in Partnerschaft mit der Missionsgesellschaft für die Bedürfnisse der Missionare sorgen und sie in Zeiten von Krankheit unterstützen?

Wie kann man interkulturelle Mitarbeiter gut unterstützen?

OMF beantwortet diese Frage durch ihr medizinisches Beratungsteam. Dieses wird vom internationalen medizinischen Berater geleitet und besteht aus Ärzten in „sendenden“ und „empfangenden“ Ländern.

Es berät die Leiter von OMF International in der Frage, ob es aus menschlicher Sicht sinnvoll ist, einen Bewerber ins Ausland zu entsenden. Jeder neue Kandidat wird medizinisch und psychologisch untersucht, um seine Tauglichkeit und Eignung für die vorgesehene Aufgabe festzustellen.

Die Untersuchungen haben kein „bestanden“ oder „nicht bestanden“ zu Ziel, sondern sollen helfen, den Grad der Belastbarkeit des Kandidaten zu bestimmen und ihm die (aus medizinischer Sicht) beste Möglichkeit zu geben, sein Potenzial im Dienst für den Herrn und zu seiner Verherrlichung in Ostasien voll auszuschöpfen. Manche Fälle sind recht einfach, aber es gibt auch sehr komplizierte.

Sobald die Missionare in dem ihnen zugewiesenen Land tätig sind, werden sie (und ihre Kinder) regelmäßig durch den Field Medical Adviser (FMA) medizinisch untersucht. Ziel dieser Untersuchungen ist es, Probleme frühzeitig zu erkennen, chronische Erkrankungen zu überwachen, Gesundheitsvorsorge zu betreiben, das Stressniveau einzuschätzen und dem Missionar die Möglichkeit zu geben, seine Sorgen zu besprechen. Im Idealfall ist der FMA auch ein Missionar mit interkultureller Erfahrung und Verständnis für die örtlichen Gegebenheiten.

Doch was geschieht, wenn Missionare im Ausland krank werden? In einigen Ländern gibt es eine hervorragende medizinische Versorgung, in anderen Gebieten ist dies jedoch nicht der Fall.

Sollten der Missionar und seine sendende Gemeinde, weil sie sich voll und ganz an die örtlichen und kulturellen Gegebenheiten anpassen, die möglichen Risiken durch eine Operation in einem abgelegenen Gebiet akzeptieren, indem sie sich mit einfachster Narkose und schlecht kontrollierten Blutkonserven abfinden? Oder sollte der Missionar evakuiert und für eine bessere Versorgung in ein größeres medizinisches Zentrum verlegt werden? Wer trägt die Kosten für eine solche Behandlung aus?

Dies sind schwierige Fragen. Uns ist bewusst: wenn unsere Missionare in ihren Einsatzgebieten die „Hände und Füße Jesu“ sind, müssen wir uns sehr gut um sie kümmern.

Missionare sind komplexe und einzigartige Menschen, aber sie sind die Hände und Füße des Herrn Jesus in den Gebieten, denen sie zu dienen versuchen. Wir müssen uns gut um sie kümmern. Dabei müssen wir versuchen, eine gesunde Theologie des Leidens, den Wunsch nach Kontextualisierung und unsere Verantwortung als weise Verwalter unter Gebet miteinander zu verbinden. Bitte beten Sie für das Team der medizinischen Berater, die gottgefällige Entscheidungen treffen möchten, zum Wohl der Missionare und auch derjenigen, denen sie dienen möchten.

Dr. Stroma Beattie, ehemalige internationale medizinische Beraterin (1998-2012)

1 Mehr über George Stott unter diesem Link

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