Hudson Taylors Grab in China gefunden

Hudson Taylors Tod am 3. Juni 1905 in Changsha, Provinz Hunan, China

“Hätte ich hundert Pfund, sollte sie China haben; hätte ich tausend Leben, sollte sie China haben. Nein, nicht China, sondern Christus.” – James Hudson Taylor (1832-1905), Gründer der China Inland Mission (heute OMF International)

Am 3. Juni 1905 starb Hudson Taylor im Alter von 73 Jahren in seinem geliebten China in Changsha, Provinz Hunan.

Grab bei Beerdigung von Hudson Taylor

Beerdigung von Hudson Taylor. Um sein Grab versammeln sich Missionare der China Inland Mission und viele Chinesen, um Abschied zu nehmen.

Er wurde in Zhenjiang in der Jiangsu Provinz neben seiner ersten Frau Maria Dyer-Taylor und vier ihrer Kinder beigesetzt. Die Familie lag im damaligen “Westlichen Friedhof” begraben. Ihnen wurden englische Grabsteine gesetzt. 1931 fügte Hudson Taylors Sohn Herbert Hudson Taylor eine chinesische Gedenktafel hinzu.

Hudson Taylors Grab in turbulenten Zeiten

Das 20. Jahrhundert war für China eine turbulente Zeit. In den Jahren nach dem Tod Hudson Taylors folgten das Ende der Qing-Dynastie, der zweite Sino-Japanische Krieg (1937-45) und der Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Nationalisten.

Nach dem Sieg der Kommunisten 1949 verliessen die CIM Missionare widerwillig ihr geliebtes Land. In China wurden die Spuren des Christentums, und alles was noch auf das Fremde hindeutete, zerstört. Ende 70er Jahre, begann sich China langsam zu öffnen und wirtschaftliche Reformen durchzuführen.

1983 unternahmen die Nachfahren von Hudson Taylor, unter anderem sein Urenkel, Dr. Jim Taylor und sein Ururenkel Jamie Taylor, eine Tour an verschiedene Schlüsselorte für die Taylor Familie. Auf dieser Tour orteten sie auch den westlichen Friedhof in Zhenjiang. Doch wo einst der Friedhof gewesen war, standen nun eine Fabrikhalle und Wohnhäuser, so dass es unmöglich war, die eigentlichen Gräber aufzufinden.

Die Reise führte trotzdem zu einem wertvollen Fund: 1986 wurde im Zhenjiang Museum der Grabstein von Hudson Taylor entdeckt. 1999 wurde der Grabstein bei der Zhenjiang Gospel Church aufgestellt, deren Pastor die Taylors auf ihrer Reise im Jahr 1983 getroffen hatten.

Hudson und Maria Taylor: Überraschungsfunde in Antiquitätenladen und Fabrikhalle

Im September 2012 erhielt Jamie Taylor eine E-Mail von einem taiwanesischen Unternehmer. Dieser behauptete, in einem Antiquitätenladen in Yangzhou, am anderen Ufer des Yangzi Flusses und etwa 20 Meilen von Zhenjiang entfernt, den Grabstein von Maria Dyer-Taylor erstanden zu haben. Nachdem Jamie im Oktober nach Yangzhou gereist war, wurde der Grabstein Marias nach Zhenjiang gebracht und in der Kirche neben demjenigen ihres Mannes aufgestellt.

Im März 2013 kontaktierte der Pastor der Kirche in Zhenjiang Jamie Taylor erneut. Pfarrer Yin teilte ihm mit, dass die Regierung von Zhenjiang die Fabrikhalle und die Wohnungen abgerissen und das Land zum Bau von Luxuswohnungen an ein Bauunternehmen verkauft hatte. Ein Archäologe hatte den Boden zuvor untersucht und bestätigte, dass die Gräber von Hudson und Maria Taylor möglicherweise noch intakt sein könnten. Bei dieser Untersuchung war auch die chinesische Gedenktafel, die Sohn Herbert Taylor damals bei den Gräbern errichtet hatte, ausgegraben worden.

Am 19. März besuchte Jamie Taylor zusammen mit chinesischen Christen aus Zhenjiang, dem Archäologen und zwei Vertretern des Bauunternehmens die mögliche Grabstätte. Mit einem Bagger wurden auf der östlichen Seite des Landes Erde und Trümmer entfernt und die Sockel zweier Grabsteine wurden sichtbar. Jamie und Pfarrer Yin bemerkten sofort: “Sie haben genau die Grösse der Grabsteine von Hudson und Maria!” Die lange Suche der Taylor Familie nach den Gräbern von Hudson und Maria war vorbei.

Grab von Hudson und Maria Taylor in China

Die Gräber von Hudson und Maria Taylor werden von einem Archäologen in einer abgerissenen Fabrikhalle gefunden und identifiziert.

“Für mich persönlich ist schon die Vorstellung, dass wir die Grabstätte von Hudson und Maria tatsächlich endlich finden konnten, nichts weniger als ein Wunder,” sagt Jamie Taylor. “Hätte die Regierung die Fabrikhalle nicht abgerissen und die Anwohner umgesiedelt, hätten wir die eigentlichen Gräber nie gefunden. Zudem scheint es fast unvorstellbar, dass Stätte nach dem riesigen politischen Umsturz, der seit ihrer Beisetzung stattgefunden hat, überhaupt noch auffindbar war. Ausserdem muss man sich fragen, weshalb nach der fast vollständigen Zerstörung des Friedhofs nur dieser eine Teil noch intakt war!”

Gründung einer Hudson Taylor-Gedenkstätte

Nachdem die Situation mit der lokalen Regierung, dem Bauunternehmen, der Kirche und der Familie Taylor abgeklärt wurde, wurde nun der Entschluss gefasst, die Gräber zu exhumieren und sie zusammen mit den Grabsteinen zur neu gebauten Xuan De Church (宣徳堂) in Zhenjiang zu versetzen.

Ein christlicher chinesischer Architekt hat als Teil des Kirchturms, der mit seinem roten Kreuz aus einem Umkreis von mehreren Kilometern sichtbar ist, eine Gedenkstätte entworfen. Gegenwärtig ist vorgesehen, dass die Überreste von Hudson und Maria Taylor am Fuss des Kirchturms neu beigesetzt werden, wo auch ein kurzer Abriss ihres Lebens mit Fotos angebracht werden soll.

Hinter dem Kirchturm wird ein kleiner Garten angelegt, wo vier weitere Gräber aus dem Friedhof untergebracht werden sollen, sowie verschiedene Grabsteine von Missionaren, welche die Zhenjiang Gospel Church über die Jahre gesammelt hat. In den Worten von Jamie Taylor wird der Garten “eine wunderbare Stätte des Gedenkens sein für die zahlreichen Menschen, die ihr Leben dafür hergaben, damit das Evangelium in ganz China verbreitet werden konnte.

Durch ihren Einsatz ist eine lebendige einheimische chinesische Gemeinde entstanden. Möge ihr Andenken chinesische Christen neu anspornen, China für Christus zu gewinnen!”

Chad Berry

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