Ein etwas anderer Gottesdienst

Stille Sammlung. Orgelvorspiel. Votum und Eingangsgebet. Lieder. Predigt, Kollekte und Segen. Dann der Sonntagsbraten. Mit dieser Art von Gottesdienst hätte Kerstin Richter im Gospelcenter in Chiayi keine Chance. Dort geht es zu „wie daheim“. Was dies für die Besucher aus der Arbeiterschicht bedeutet, und warum Kerstin nur schwer weitere Mitarbeiter findet, erzählt sie selbst.

Voller Stolz erklärt A-Chin seinen Freunden: “Unsere Kirche ist anders als andere Kirchen! Hierher kannst du kommen!” Eine ÜMG-Kollegin dagegen sagt bedauernd: “Ich kann dir leider nicht helfen mit deiner Gruppe. Dieses Chaos halte ich nicht aus.”

Gegensätzlicher könnten die Meinungen über die Sonntagabend-Gruppe im Gospelcenter der ÜMG in Chiayi wohl kaum sein. Die Menschen, die zu dieser Gruppe kommen, stehen am untersten Ende der Arbeiterschicht, z.B. ein psychisch kranker ex-Sträfling und ein Ehepaar, das davon lebt, den Recyclemüll anderer Leute aufzusammeln.

Fast niemand kann lesen oder schreiben. Der Umgangston ist oft äußerst rau und der Raum sieht hinterher meist aus wie ein Schlachtfeld.

Gott hat diese Menschen in unser Gospelcenter gebracht! Wir essen miteinander, singen, reden über Gott und uns, und wir beten zusammen – jeder, der mag.

Daneben spielen die Kinder, rennen mal durch den Raum, sitzen mal dabei und singen aus voller Kehle mit. Leute gehen früher, kommen später, fangen mitten im Gebet einen Ehestreit an oder schlafen während der Geschichte ein.

Art 3 Sonntagsgruppe beim Essen kleiner

Art 3 Kerstin und Sonntagsgruppe kleiner

Es ist laut … oft herrscht wirklich Chaos! Die Leute aber fühlen sich pudelwohl – ganz wie zu Hause ☺.

Und ich? Ich habe gelernt, wie entspannend es sein kann wenn man akzeptiert hat, dass man die Kontrolle nicht haben muss!

Kann Gottes Geist in so einem Chaos wirken? Und wie! Ich höre es an den Gebeten der Leute und sehe, wie sie sich langsam verändern. Gott hat hier definitiv einen Plan!

Kerstin Richter

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