Ehefrau, Mutter und Missionarin – wie geht das?

„Stressfaktoren einer verheirateten Frau in der transkulturellen Mission“ war das Thema meiner Abschlussarbeit am Theologischen Seminar St. Chrischona (TSC) im Jahr 1998. Dazu interviewte ich verschiedene Missionarsfrauen. Als ich eine Missionarin zu diesem Thema befragte, meinte sie spontan: „Ich frage mich manchmal auch, wie das geht!“

Eigene Erfahrung

Inzwischen war ich selbst acht Jahre lang in Kambodscha. Wir reisten als Ehepaar aus, unsere drei Töchter wurden während unseres Einsatzes geboren. Während ich meine Arbeit von damals lese, muss ich über manches schmunzeln. Anderes kann ich unterstreichen. Die beschriebenen Punkte wollen Ihnen helfen, Missionarinnen besser zu verstehen.

Sprach- und Kulturstudium
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Es ist nicht einfach, als Ehepaar gemeinsam in die „Erste Klasse“ zu gehen. Da kommt es leicht zum Konkurrenzkampf zwischen den Ehepartnern. Während Joachim hinter seinen Büchern saß, unterhielt ich mich schon mit unserer Haushilfe auf Kambodschanisch. Später konnte er aber besser schreiben als ich…

Wenn man als Mutter die Sprache lernt, braucht man eine gute Zeiteinteilung. Doch grade durch die Kinder ergeben sich viele Kontakte und somit Gelegenheiten, die Sprache zu üben.

Als ich schwanger wurde, wollten die Nachbarinnen neugierig wissen, wann es denn soweit sei. Auf Khmer heisst „Geburt“ umgangssprachlich: „den Fluss überqueren“. Da ich das Wort nicht kannte, wir aber am Ufer des breiten Mekongflusses wohnten, fiel meine Antwort entsprechend aus… Als der Fehler unter viel Gelächter geklärt war, hatte ich wieder ein neues Wort gelernt!

Anderes Klima, fremde Gegebenheiten des Wohnorts

An Hitze, Dreck, neue, exotische „Haustiere“, Abgase und Gedränge in der Stadt kann man sich gewöhnen. Schwerer fällt das Leben als „Goldfisch im Glas“. Die Nachbarn wundern sich über die weißen Ausländer.

Die Besucher schauen in den Kühlschrank und betasten die helle Haut der Kinder, bis diese weinen. Aber diese neugierigen Menschen wollen wir mit der Liebe Jesu erreichen. Eine Missionarin schrieb: „Die Türe am Tage zu schließen, gilt als unhöfllich. Eine offene Türe heißt aber auch am freien Tag: alle sind willkommen!“

Spannungsfeld Rollenverteilung
Art 1 Marlen und Haushilfe

Es ist gar nicht einfach, als „Frau vom Missionar“ eine eigene Aufgabe zu finden. Das hängt auch mit dem Alter der Kinder zusammen. Für manche Frauen ist die Familie die Hauptaufgabe. Christliches Familienleben vorzuleben ist auch ein wichtiger Aspekt der Arbeit.

Es gibt andere Frauen, die mit ihrem Mann ein Team bilden und Aufgaben innerhalb und außerhalb der Familie gemeinsam wahrnehmen. Manche findet ihre Rolle auch in einer ganz anderen Arbeit als der des Mannes.

Es ist nicht immer leicht, seinen Platz zu finden und fröhlich auszufüllen. Das Problem beginnt, wenn man anfängt, sich zu vergleichen. Doch niemand muss so eine gute Mutter sein wie Frau X oder eine solch tolle Arbeit machen wie die ledige Missionarin Y.

Fazit:

Ist es möglich, die Rollen als Ehefrau, Mutter und Missionarin unter einen Hut zu bekommen?

Aus meiner Erfahrung sage ich: Ja, es geht! Das Leben als Missionarin macht trotz dieser Herausforderungen Spaß. Vielleicht hilft Ihnen dieser Artikel, in Zukunft konkreter für Missionarsfrauen zu beten. Oder lassen Sie sich selbst auf dieses Abenteuer ein.

Marlen König

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