Sprachstudium: Ohne Demut geht es nicht…

Eva-Maria Göttmann hat die Aufgabe, neue Missionare in Thailand anzuleiten. Zu Beginn sind die Meisten motiviert und begeistert. Doch was ist, wenn man sich die Vokabeln einfach nicht merken kann? Ständig die Töne verwechselt? Wie geht man damit um, wenn man für Fehler ausgelacht wird?

In meiner Rolle als Beraterin für neue Mitarbeiter in Nordthailand begleite ich neue ÜMG-Mitarbeiter auf ihren ersten Schritten in Thailand. Ich sehe, wie sie sich bemühen, in eine ihnen fremde Welt einzutauchen, eine Tonsprache zu lernen und eine andersartige Kultur zu ergründen.

Bei den regelmäßigen Sprachtests erhalten sie Rückmeldungen über ihre Aussprache, ihre Grammatik und ihr Hör- und Leseverständnis. Abschließend erhalten sie Tipps, an welchen Tönen und Worten sie noch feilen müssen.

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Ich bin begeistert, wenn Sprachstudenten bereits nach einem halben Jahr erste biblische Geschichten in einer Sprache erzählen, in der sie bis vor kurzem kein einziges Wort verstanden hatten. Ich habe das Vorrecht, ihre Bekehrungs- und Berufungsgeschichten zu hören – natürlich auf Thailändisch.

Doch wenn die anfängliche Neugier gewichen ist, ist es schwer, entmutigte Lerner neu zu motivieren. Wie ermutige ich sie, zäh weiterzukämpfen und eine Vokabel nach der anderen in den Wortschatz aufzunehmen? Wie kann ich ihnen helfen, die Denkweise und das Verhalten der Einheimischen zu begreifen?

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Lisa erzählt, dass sie oft von Schülern ausgelacht wird, wenn sie etwas auf Thailändisch sagt. „Das sind demütigende Erlebnisse“, so sind ihre Worte!

Am gleichen Tag kommt Julian zum allerersten Sprachtest. Auch er berichtet, wie demütigend es für ihn sei, sich nicht ausdrücken zu können. Er habe das Gefühl, bisher nichts gelernt zu haben, keine Worte zu finden für die Dinge, die ihm am Herzen liegen.

Schon wieder dieses Wort „Demut“.

Solche Momente sind entmutigend – auch für mich. Was mute ich den neuen Mitarbeitern nur zu? Wer lässt sich schon gerne demütigen? Wozu der Aufwand?

Zurück an meinem Schreibtisch fällt mein Blick auf einen Bibelvers auf meinem Tischkalender. „Der Lohn der Demut und der Furcht des Herrn ist Reichtum, Ehre und Leben“ (Sprüche 22,4).

Welche Ermutigung! Gott hat uns an diesen Platz des Sprach- und Kulturlernens gestellt. Er mutet uns solche Erfahrungen zu. Doch er hält auch einen Lohn für uns bereit!

Eva-Maria Göttmann

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