Berufsbezeichnung „Missionar“ – ein Auslaufmodell? 

Was verbindest du mit dem Begriff “Mission”? Und was ist für dich ein “Missionar”? Welche Gefühle lösen die Begriffe in dir aus? Gedanken von Armin Messer, Missionsleiter von OMF.

Der Begriff „Missionar“ als Berufsbezeichnung ist nicht mehr klar verständlich. Manche verbinden damit kolonialistische Bestrebungen, die nichts mit moderner protestantischer Mission zu tun haben.  

„Was ist Dein Beruf?“ Wenn ich aus Japan in den Heimataufenthalt nach Deutschland kam, war diese Frage schwer zu beantworten. Bin ich „Japanmissionar“, „Gemeindegründer im ländlichen Japan“ oder sogar „Pastor einer japanischen Gemeinde“?  

Hat „Missionar sein“ etwas mit dem Beruf zu tun?

Eine Schwierigkeit ist, dass Mission heute ein so breites Spektrum an Berufen umfasst.  

Manche Missionare gehen „geistlichen Tätigkeiten“ nach als Pastoren, Bibelschullehrer oder Bibelübersetzer.  

Andere setzen sich in der Mission als Rechtsanwälte, Physiker, Mathematiker, Agraringenieure, Architekten, Ärzte, Krankenschwestern, Psychologen, Linguisten, Lehrer, Grafiker, Musiker, Buchhalter, Manager, Geschäftsführer und vieles mehr ein. 

Man kann einen „Missionar“ auch dadurch definieren, dass er von einer Gemeinde ausgesandt wurde. Das passt schon viel besser zur eigentlichen Bedeutung des Wortes. Der lateinische Begriff „Missio“ kann mit „Sendung“ übersetzt werden. Das Konzept „Ein Missionar ist ein Gesandter“ lässt die nötige Weite zu.  

Hat „Missionar sein“ etwas mit Geld zu tun?

Von der Gemeinde ausgesandt zu werden bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass man von Spenden lebt. Sogenannte „Zeltmacher“ decken einen Teil ihres finanziellen Bedarfes über ihren Job ab, der oft auch ihr Visum legitimiert.  

Manche Mitarbeitende schaffen es sogar, das gesamte Budget für ihren Missionseinsatz durch Einkommen aus einem eigenen Business, einer bezahlten Anstellung vor Ort oder durch eine Firma aus Deutschland aufzubringen.  

Hat „Missionar sein“ etwas mit dem Ort zu tun?

Ein weiteres Missverständnis ist der Ort der Sendung. Der „stereotypische Missionar“ arbeitet im fernen Afrika oder in Südamerika. Dabei ist auch Europa längst ein Zielort der Mission.  

In Deutschland empfangen wir etwa genauso viele Missionare aus anderen Ländern, wie wir ins Ausland senden. Die globalen Migrationsströme haben den Bedarf an Missionaren unter verschiedenen Volksgruppen in Deutschland erhöht. Viele Missionsgesellschaften, auch OMF, senden Missionare nach Deutschland aus, um Gemeinden unter ihnen zu gründen.  

Nicht zuletzt bleiben viele Christen an ihrem Wohnort, arbeiten in ihrem Beruf und können im Alltag ausländischen Berufskollegen oder Migranten in der Nachbarschaft die Liebe Jesu weitergeben.  

Berufsbezeichnung „Missionar“: Auslaufmodell – und trotzdem aktuell

Zusammenfassend gesagt: Ich denke, dass die Berufsbezeichnung „Missionar“ ein Auslaufmodell ist. Sie ist mit zu vielen falschen Vorstellungen verbunden und wird der Weite von Berufen und Einsatzmöglichkeiten nicht mehr gerecht.  

Aber die Sendung von Christen, um Menschen aus anderen Kulturkreisen mit der frohen Botschaft von Jesus Christus zu erreichen, geht weiter und ist so aktuell wie vor 2000 Jahren. Dazu gebraucht Gott vielfältige Menschen mit unterschiedlichen Begabungen und Berufen. Er stellt sie an den Ort, an dem sie ihm zur Ehre leben und arbeiten können.  

Armin Messer 

Armin Messer lebte mit seiner Familie von 2002–2018 in Japan und arbeitete als Gemeindegründer und Regionalleiter. Seit 2019 ist er Missionsleiter von OMF Deutschland

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