Wild entschlossen für das Evangelium

Fragen und Antworten mit Pastor Ricardo Cortez, Philippinen

Der philippinische Pastor Ricardo Cortez hat viel übrig für das Volk der Waray Waray im Süden der Philippinen – ein Volk, dass „wild entschlossen das Werk Gottes tut.“ Er berichtet, was es bedeutet, dort standzuhalten im Dienst für Gott.

Bitte beschreibe uns ein bisschen die Kultur der Waray Waray – immerhin hast du die meiste Zeit deines Lebens dort verbracht!

Die Waray Waray sind bekannt für ihre wilde Entschlossenheit. Viele andere Ethnien hier auf den Philippinen haben Angst vor uns. Überall auf den Philippinen sind wir bekannt dafür, dass wir vor nichts zurückschrecken. Gleichzeitig mögen wir Annehmlichkeiten, und wir finden alles interessant, was nicht zu unserer Kultur gehört.

Kannst du uns ein Beispiel geben, wie du Gott am Wirken unter den Waray Waray erlebt hast?

Es ist spannend, dass es auf den ersten Blick unmöglich scheint, dass das Evangelium dort Fuss fasst; wenn Du dann aber die Leute erlebst, die das Evangelium annehmen – das ist unglaublich: sie schrecken vor nichts zurück, sie würden ihr Leben dafür aufs Spiel setzen. Wenn Du Dich wirklich um sie kümmerst, mit ihnen lebst und sie lehrst, und wenn Du die Waray Waray kennst und verstehst – sie setzen sich voll ein, um das Werk des Herrn zu tun. Das erlebe ich dort.

In welchen Arbeitszweigen engagierst du dich, und was möchtest du erreichen?

Ich bin der Leiter eines Dienstbereiches der „Christian and Missionary Alliance Churches“ der Philippinen, für den Bereich der Ost-Visayas. Seit 2007 arbeite ich vollzeitlich für das Waray Waray-Projekt im Bereich der Gemeindegründung und Mission. Früher war ich in der Studentenmission tätig.

Wir möchten, dass auch in entlegenen Gegenden Gemeinden entstehen. Es gibt hier immer noch Gegenden, wo die Menschen noch nie von der Bibel gehört haben und sich mit ihr beschäftigt haben. Wir möchten Einheimische für den Dienst und für Mission ausbilden, ihnen das Anliegen der Mission ans Herz legen und sie zurüsten, um in diesem Dienst zu arbeiten – denn wir Waray Waray sind mit unserem Durchhaltevermögen und unserer Entschlossenheit bestens dafür geeignet.

Wo sieht die Arbeit unter den Waray Waray zur Zeit aus?

Die Arbeit unter den Waray Waray befindet sich immer noch in dem Stadium der Verkündigung, vor allem in entlegenen Gebieten, wo noch Gemeinden gegründet werden müssen. Unser Problem ist, dass die Arbeit unter den Waray Waray nicht ohne Hilfe von aussen zu bewerkstelligen ist.

Viele Arbeitszweige mussten eingestellt werden, weil die Mitarbeitenden dazu nicht mehr in der Lage waren – besonders diejenigen, die aus anderen Gegenden der Philippinen kamen. Hier in Tacloban City hatten wir 13 philippinische Pastoren, die hier arbeiten wollten; jedoch kehrten sie  als „verwundete Krieger“ nach Hause  zurück, wie man so sagt.

Wirtschaftlich ist diese Gegend ärmer als anderswo – Ost-Visaya ist eine der ärmsten Gegenden der Philippinen, und die Samar-Provinzen gehören dort auch zu den ärmsten. Wir haben weniger Unterstützung von Seiten der Regierung und weniger Ressourcen in den Gemeinden, aber dafür mehr Taifune…

Eine weitere Herausforderung ist der Mangel an Interesse an der Bibel. Die Menschen sind damit zufrieden, einer ‚Religion‘ anzugehören und meinen, das genügt. Gleichzeitig neigen sie stark zum animistischen Aberglauben und fürchten die Geister.

Mit der Hilfe von Missionsorganisationen wie OMF können einheimische Mitarbeitende motiviert werden für ihren Dienst. Fremde sind für die Waray Waray interessanter als die Einheimischen. Die Anwesenheit von OMF motiviert unsere Mitarbeitenden und hilft ihnen.

Was uns ermutigt sind die Wenigen, die wirklich Jesus erlebt haben und von denen ich weiss, dass sie jetzt überwiegend missionarisch aktiv sind – drei von ihnen, die ich in der Jüngerschaft begleitet habe, sind jetzt Missionare in den USA, in Dubai und auf den Philippinen.

Wie würdest Du einen effektiven Mitarbeiter für die Waray Waray beschreiben?

Effektivität lässt sich lernen. Ausdauer ist wichtig. Es dauert, es ist nicht einfach, aber die Frucht wird sich in der Zukunft zeigen, glaube ich – durch Gottes Gnade und durch seine Kraft. Leidenschaft, die Waray zu verstehen und Geduld werden auf lange Sicht ihre Wirkung zeigen.

Wofür können wir beten?

Der Dienst unter den Waray Waray ist wie die Arbeit eines Bildhauers, der den Stein behämmert, rundherum, und ihn dabei immer wieder wendet, von einer Seite auf die andere. So ist es auch mit dem Gebet. Es braucht Zeit. Betet, dass viele Waray Waray sich dem Evangelium öffnen. Betet auch, dass sich die Armut durch den Dienst unter den Waray Waray bessert.

Betet, dass noch mehr Menschen kommen, um die Waray zu besuchen, zu beten, und um dort zu arbeiten. Betet für christliche Ressourcen für die Gemeinden unter den Waray Waray. Dieser Teil der Philippinen hat mit am wenigsten christliche Ressourcen und ausgebildete Prediger.

Betet um Mitarbeitende mit Durchhaltevermögen, die bereit sind, lange hier zu bleiben, hier Wurzeln zu schlagen, die Menschen zu verstehen und liebzuhaben, ihre Sprache zu lernen. Betet, dass die Mitarbeiter Mitgefühl haben und bereit sind, auf Annehmlichkeiten zu verzichten.

Geschrieben von Ricardo Cortez

Ricardo Cortez ist Philippino und arbeitet seit vielen Jahren unter dem Volk der Waray Waray.

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