Der Hinduismus ist mit knapp einer Milliarde Anhängern nach dem Christentum und dem Islam die drittgrößte Religion der Erde. Seinen Ursprung hat er in Indien. Anhänger dieser Weltanschauung werden Hindus genannt. Genau genommen besteht der Hinduismus aus verschiedenen Religionen, die sich teilweise überlagern und gegenseitig beeinflussen, in heiligen Schriften, Glaubenslehren, der Götterwelt und Ritualen Unterschiede aufweisen.
Über Indien hinaus verbreitete sich der Hinduismus vor der christlichen Zeitenwende auch in Südostasien, wie Kambodscha, Malaysia, Indonesien und den Philippinen. Später wurde er in diesen Gegenden vom Buddhismus und Islam weitgehend verdrängt.
Glaubensinhalte
Der Hinduismus kennt keine Gründerperson wie die anderen Weltreligionen, sondern ist vielmehr eine Verbindung vieler lokaler Götter, Praktiken und Rituale.
Hindus sehen die Welt als einen Kreis, der mehrere konzentrische Lagen von Meeren, Kontinenten, Himmeln und Höllen umschließt.
Brahman ist die höchste Realität, die letzte Quelle alles Seins. Es ist eine unpersönliche, universale Kraft, die man nicht definieren kann. Die Welt kommt von Brahman her. Die meisten Hindus glauben, dass auch sie von Brahman herkommen.
Atman ist die Seele oder das Selbst, ein innewohnender ewiger Teil aller Lebewesen, das die Einheit mit Brahman sucht.
Maya ist ein zentrales hinduistisches Konzept. Die sichtbare Welt ist Maya; sie erscheint, wie wir sie sehen, verbirgt aber eine andere Wirklichkeit.
Die Zeit läuft kreisförmig und nicht chronologisch; außerdem degeneriert sie immer weiter – von einem goldenen Zeitalter durch zwei weniger gute Zeitalter hindurch bis zu unserem gegenwärtigen degenerierten Zeitalter. Am Ende eines jeden Zeitalters zerstört ein Feuer oder eine Flut das Universum, wonach dann ein neues
goldenes Zeitalter anbricht und damit den Kreislauf fortführt.
Auch das menschliche Leben verläuft im Kreis. Hindus glauben an die Reinkarnation: die Seele wird nach dem physischen Tod in den Körper eines anderen Menschen oder eines Tieres wiedergeboren. Dieser ständige Prozess der Reinkarnation wird Samsara genannt. Das Karma bestimmt jede neue Geburt. Weil wir vergessen haben,
dass wir von Brahman herkommen, sind wir unseren Begierden gefolgt und damit dem Gesetz des Karma unterworfen worden. Wir ernten, was wir säen, sowohl im gegenwärtigen wie auch in den zukünftigen Leben.
Moksha ist die Befreiung vom Karma, also von Tod, Zerfall, Ärger, Begierden und Maya. Diese Befreiung wird durch Einsicht erlangt sowie durch die Loslösung von weltlichen Vergnügungen. Wir müssen erkennen, dass das Selbst eigentlich gar nicht existiert und dass die Wirklichkeit die Einheit mit dem Brahman ist. Wir sollen
”sein und nicht tun”.
Diese Erkenntnis kann auf drei Arten erreicht werden:
- Tat und Ritual (der weltliche Weg)
- Erkenntnis und Meditation (der Weg der Entsagung)
- Hingabe (ein Mittelweg)
Hingabe wird manchmal als Hingabe an einen Gott verstanden, zu dem man kommen kann und der Erlösung als Geschenk und nicht als Belohnung für das eigene Bemühen anbietet. Manchmal wird sie auch verstanden als Hingabe an andere Menschen, wie die Familie oder den Vorgesetzten.





