«Gab es für dich eine Zeit, wo du den Glauben hinter dir gelassen hast?», fragte mich meine Freundin. Wir hatten über meine Erfahrung als Third Culture Kid (TCK) gesprochen und darüber, dass einige TCKs sich vom Glauben der Eltern abwenden.
«Nein», war meine Antwort. «Aber ich habe schon mal eine Dekonstruktion erlebt.»
Was ist ‹Dekonstruktion›?
In den letzten Jahren ist ‹Dekonstruktion› im christlichen Umfeld zu einem Schlagwort geworden. Engagierte Christinnen und Christen hinterfragen ihren Glauben, bewegen sich liberalen Positionen zu oder verlassen die Kirche ganz.
Ich war 24 Jahre alt, als meine Dekonstruktion begann. Gerade als junge Person fühlte ich mich oft allein mit meiner konservativen Meinung, z.B. bei Gender-Themen. War meine Meinung lieblos? Verbaute ich mit meinen Argumenten anderen den Zugang zu Gott? Die Antwort des ‹progressiven Christentums› war für mich als konfliktscheue Person attraktiv: Die Bibel lässt verschiedene Interpretationen zu. Und so konnte ich beides: Menschen gefallen und an der Bibel festhalten, die mir so wichtig war.
Oder so dachte ich zumindest. Denn über die Zeit kam ich in eine andere Erklärungsnot: Mir fiel es zunehmend schwerer, meinen Schülerinnen und Konfirmanden das Evangelium und seine Wichtigkeit weiterzugeben, wenn ich immer versuchen musste, Unangenehmes umzudeuten oder wegzuerklären. Mir war immer klar: Allein Jesus rettet. Ich wollte, dass Leute mit ihm in Beziehung treten können. Und damit dies geschieht, passte ich meine Botschaft an und räumte vermeintliche Stolpersteine aus dem Weg. Doch langsam merkte ich: So wird die gute Nachricht geschwächt.
Glaube, der trägt, wenn alles im Fluss ist
Deshalb ist Roland Hardmeiers Buch ‹Glaube, der trägt, wenn alles im Fluss ist› gerade richtig für unsere Zeit. Hardmeier analysiert mit Feingefühl die Situation der Postmoderne und stellt einen Zwischenweg zwischen den beiden Extremen Fundamentalismus und Postevangelikalismus vor. Es gibt Traditionen, die mit Recht hinterfragt und abgebaut werden müssen. Es gibt Dinge, die wir vom «progressiven Christentum» lernen können. Doch dazu brauchen wir ein tragfähiges Fundament, ein tiefes Vertrauen zu Gott und seinem Wort. Das Buch von Hardmeier hat mir geholfen, meine eigene Dekonstruktionsphase aufzuarbeiten und sie einzuordnen. Gleichzeitig hat es mich bekräftigt in meinem Weg, den ich nun eingeschlagen habe. Nachdem ich es lange vernachlässigt hatte, fand ich vor mehreren Jahren zurück zum regelmässigen Bibellesen und Gebet und legte wieder Priorität darauf, Gott mehr zu gefallen als den Menschen.
Ich kann das Buch allen herzlich empfehlen, die sich Gedanken machen über ihr Christsein in der Postmoderne, die selber Dekonstruktionserfahrungen gemacht haben oder jemanden kennen, der mit dem Glauben ringt. Das Buch hilft zu verstehen, macht sprachfähig und gibt Hoffnung.
Désirée Dippenaar arbeitet als Serve Asia Coordinator bei OMF Suisse und empfiehlt ein Buch, das ihr half, sprachfähig zu bleiben mit jungen Menschen.



