Mit Gott unterwegs durch Höhen und Tiefen

Ich hatte das Privileg, etwa 8 Monate lang im Gemeindebau in einer ländlichen Gegend Japans mitzuhelfen. Es war eine lohnende und zugleich herausfordernde Zeit für mich. Ich durfte mit dem Pastor und seiner Frau in Tohoku arbeiten, wo sie unter Menschen tätig sind, die 2011 vom Tsunami betroffen waren. Die Hauptaufgabe bestand darin, durch sportliche Aktivitäten zur älteren Generation und durch Englischunterricht zur jüngeren Generation Kontakte aufzubauen. Die persönlichen Beziehungen, die im Laufe der Monate entstanden, waren sehr wertvoll, und mein grösstes Highlight war das gemeinsame Bibellesen.

Kinderstunde in einem lokalen Kindergarten.

Eine der grössten Herausforderungen war die Einsamkeit, mit der ich konfrontiert war. Ich war die einzige Mitarbeiterin von OMF in einer kleinen Gemeinde in einer ländlichen Gegend. Der Kampf mit der Einsamkeit war für mich etwas unerwartet, da ich die Sprache und die Kultur Japans eigentlich kenne. Doch gerade in dieser Herausforderung erinnerte mich der Herr daran, woher meine Kraft und meine grösste Freude kommen sollten. Rückblickend denke ich, dass einer der Hauptgründe meiner Einsamkeit der ständige „Output-Lebensstil“ war, an den ich nicht gewöhnt war. In einem Vollzeitdienst zu arbeiten bedeutet, sich ständig an andere hinzugeben. Irgendwo in meinem Kopf glaubte ich, dass dies meine Beziehung zum Herrn nähren würde. Das mag zwar bis zu einem gewissen Grad stimmen, aber es kann keineswegs meine Stille Zeit mit Gott ersetzen. Ich wurde immer wieder daran erinnert, meiner Zeit mit dem Herrn Vorrang einzuräumen. Es muss einen ständigen Fluss von „Input“ geben, um einen Überfluss an „Output“ in Gottes Werk zu haben. Und selbst wenn der Dienst erfolgreich aussieht, wenn ich nicht den Herrn selbst liebe, ist alles umsonst. Daher habe ich gelernt, dass der Dienst zu einem der grössten Götzen werden kann.

Eine wichtige Lektion für mich war, dass ich durch verschiedene Situationen gelernt habe, dass menschliche Beziehungen mich nie erfüllen können, nicht einmal in der Familie Gottes (obwohl das ein grosser Segen ist!). Die Arbeit mit Mitmenschen kann chaotisch sein. Und dennoch, weil wir Christus in uns haben, ist Versöhnung und Vergebung möglich.

Fumanetto – Sport für ältere Menschen

Eine weitere wichtige Wahrheit, die ich gelernt habe, ist, dass die Errettung nicht mein Werk ist. Stattdessen gehört sie dem Herrn selbst. Er allein kann das Herz eines Menschen verändern. Die Gemeinde in Ofunato und ich versuchten zum Beispiel, eine Arbeit an einer Oberstufenschule zu starten, indem wir Schüler zu einer „internationalen Veranstaltung“ einluden. Wir verteilten viele Flyer an den beiden Schulen der Stadt. Es wurden viele Vorbereitungen getroffen, darunter auch ein Evangeliums-Sketch, der von einem OMF-Gebetsteam einstudiert worden war. Doch zu dieser Veranstaltung selbst kam kein einziger Schüler. Mein Team und ich waren sehr enttäuscht. Ich verstand nicht, warum der Herr diese grossartige Gelegenheit nicht genutzt hat, um Menschen zu sich zu rufen. Dies wäre wahrscheinlich das erste Mal gewesen, dass die Studenten das Evangelium gehört hätten. Jedoch erinnerte mich ein langjähriger Missionar daran, dass erstens die Evangelisation in Japan Zeit braucht. Und zweitens, dass alles unter der Kontrolle des Herrn steht. Unsere Aufgabe ist es, unser Bestes zu tun, und der Rest liegt in der Hand des souveränen Gottes.

Weihnachtsgottesdienst

Wenn ich gefragt werde, wie sich mein Umfeld durch mich verändert hat, so bin ich mir nicht ganz sicher. Ich glaube jedoch, dass durch die Weitergabe von Gottes Worten und auch durch das Teilen meines eigenen Zeugnisses Samen gepflanzt wurden. Eine Sache, die ich gerne öfter gemacht hätte, ist, für die Stadt zu beten. Zum Ende hin war das eher der Fall. Deshalb ist es meine Hoffnung und Überzeugung, dass es eine Verschiebung im geistlichen Bereich gibt.

Ich bin dankbar für diese Gelegenheit, in Japan in seinem Reich zu dienen. Und ich freue mich darauf, eines Tages zurückzukehren und mich langfristig dort zu investieren.

Real Life – Auschnitte aus Gebetsbriefen

Während ihrer Zeit in Japan hat Johanna regelmässig einen Gebetsbrief für ihre Gemeinde und ihre Gebetspartner geschrieben. Hier sind zwei kurze Ausschnitte daraus:

4. März:

In den letzten zwei Monaten habe ich versucht, die gleichen Coffee Shops zu besuchen (obwohl ich nur Tee trank) und neue Orte zu erkunden, um mit den Ladenbesitzern ins Gespräch zu kommen. Ich wünschte, ich hätte das schon früher getan. An einem Ort, den ich besucht habe, gab es eine Japanerin (Frau Y.), mit der ich mich gut angefreundet habe. Sie ist sehr daran interessiert, im Selbststudium Deutsch zu lernen (ihr Deutsch ist ziemlich gut!) und freute sich daher umso mehr, mich zu treffen. Frau Y. kam auch zum Schweizer Fest und zu einem Sonntagsgottesdienst im Grace House. Später erzählte sie mir, dass die Anbetungslieder ihr Herz berührten hatten, und am selben Abend schickte sie mir ein Bild einer alten japanischen Bibel. Sie sagte mir, dass sie anfangen werde, diese zu lesen! Ich schlug ihr vor, dass wir ab und zu telefonieren könnten, um über die Bibelstelle zu sprechen. Bis jetzt sind wir fast täglich in Kontakt. 

28. April:

In meinem letzten Brief habe ich von meiner Freundin Frau Y. erzählt, die ich in einem Café in Ofunato kennengelernt habe. Während meiner Zeit in Hirosaki kommunizierten wir viel per SMS und Telefon. Irgendwann wollte sie mich besuchen kommen. Sie arrangierte es freundlicherweise so, dass wir gemeinsam nach Ofunato zurückkehren konnten (derzeit mein Wohnort). So konnte sie am Freitagsgottesdienst teilnehmen, am nächsten Tag fuhren wir gemeinsam nach Ofunato, und am Sonntag kam sie zum Ostergottesdienst nach Gracehouse. Auf der Rückfahrt fragte ich sie, wie ihr Eindruck vom Gottesdienst war und was sie über die Bibel im Allgemeinen denkt. Sie antwortete, dass sie gerne wissen würde, ob a) Jesus wirklich existiert hat und b) wer die Bibel geschrieben hat. Während meiner Zeit in Ofunato in den letzten 2-3 Wochen haben wir uns einige Male getroffen und auch gemeinsam in der Bibel gelesen. Bitte schliesst sie in eure Gebete ein.

Geschrieben von Johanna

Johanna hat während 18 Monaten einen Serve Asia-Einsatz in Japan gemacht. Ihr Mutter ist Japanerin, deshalb kannte sie Sprache und Kultur bereits.

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