Bei meinem ersten Gebetstreffen in der Hatogaya Evangelical Free Church wurde ich mit Herrn Koda* zum Beten eingeteilt. Er ist ein kleiner japanischer Herr in den Achtzigern, aber sein Glaube ist alles andere als klein. Er erzählte mir von seiner Kindheit während des Zweiten Weltkriegs mit Lebensmittelrationen, von seiner schwierigen Arbeit als japanischer Angestellter und davon, wie er sich jetzt, im Ruhestand, um seine alternde Frau kümmert. Er sah mir in die Augen und lächelte breit: „Ist Gott nicht so gut? Das ist alles seine Gnade.“
Während wir beteten, dankte er Gott dafür, dass er mich aus Amerika als interkulturelle Mitarbeiterin hierher gesandt hatte. Er betete um Segen für meine Familie zu Hause und darum, dass Gott durch meine Arbeit Früchte tragen möge. Ich war zu Tränen gerührt, als ich daran dachte, wie dieser Bruder in Christus den Krieg mit meinem Land erlebt hatte und wir nun gemeinsam beteten, nicht als Feinde, sondern als Familie.
Die Hatogaya-Kirche wurde vor 60 Jahren von Mitarbeitenden der American Evangelical Free Church gegründet. Sie begannen mit kleinen Englischkursen, wuchsen durch Nachbarschaftsevangelisation, eine Kindertagesstätte und eine florierende Sonntagsschule und haben heute fast 150 Besucher an einem normalen Sonntag.
Alle Generationen und Familienhintergründe kommen hier zusammen, um Gott anzubeten und zu dienen. Herr Koda und mehrere andere in ihren Siebzigern und Achtzigern veranstalten einmal im Monat ein Gemeinschaftscafé für ältere Menschen aus der Nachbarschaft. Ein Grundschulmusiklehrer kommt mit seiner jungen Familie und leitet den Kirchenchor. Ein pensionierter Lehrer und seine Frau bieten Nachhilfeunterricht für lokale Schüler an, die in der Schule Schwierigkeiten haben. Und jetzt arbeitet die Kirche mit OMF zusammen, um eine neue Kirche in einer Nachbarstadt zu gründen, in der es noch keine gibt.
In Japan sehen wir oft den geringen Anteil der christlichen Bevölkerung und die Schwierigkeiten kleiner Kirchen. Aber die Hatogaya-Kirche erinnert mich daran, dass Gott in Japan gewirkt hat und immer noch wirkt. Er hat treue Gläubige hervorgebracht, die sich dafür einsetzen, ihre Nachbarschaft für Gott zu gewinnen. Die Kirche in Japan mag, wie Herr Koda, klein erscheinen. Aber ihr Glaube ist groß, und ihre Treue wird von Gott gesehen und genutzt. Wie Herr Koda mich erinnert: „Gott ist so gut! Es ist alles Gnade.“
* Pseudonym