Freude
“Ihr werdet euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt”, verheisst uns schon 1. Petrus 1,8. Aber schon jetzt füllt Freude unser Herz, manchmal sogar in schwierigsten Situationen.
Wir waren gerade nach Mae Hong Son gezogen, eine Stadt im Nordwesten Thailands. Kaum hatten wir uns eingelebt, da sprach mich Cheng an. Er war Ältester einer kleinen Gemeinde, die vornehmlich aus Gläubigen aus dem Volk der Shan bestand.
In den Ketten der Angst
Cheng berichtete: «Im Dorf Palang lebt Nang, eine Verwandte. Es geht ihr gar nicht gut. Sie hat alles versucht, um Besserung zu erfahren. Alle ihr bekannten Schamanen und Geisterdoktoren hat sie besucht. Doch es ist nur schlimmer geworden. All ihr Geld hat sie mittlerweile dadurch verloren.»
Vor einem guten Monat, als sie keinen Ausweg mehr sah, war Nang dann zu ihm gekommen. Ob er noch etwas wüsste, was sie tun könnte? Cheng hatte nicht lange überlegen müssen. Froh bezeugte er, wie der lebendige Gott ihm schon so oft geholfen hat. «Wir können ihm im Gebet alles sagen. Er hört uns und vermag unsere Situation zu verändern wie sonst niemand.»
Die Kraft des Gebets
Nachdenklich war Nang nach Hause gegangen, stand aber schon nach wenigen Tagen wieder vor seiner Tür. «Würdest du für mich zu deinem Gott beten?» bat sie ihn. «Ja sicher, gerne bete ich für dich!» antwortete Chang fröhlich. Und so breitete er im Gebet alles, was er von Nang erfahren hatte, vor Gott aus und bat um sein Eingreifen und um Heilung der verschiedenen Gebrechen.
Ein Monat war verstrichen, da stand Nang wieder vor der Tür. Ihr Gesicht spiegelte eine Mischung aus Freude und tiefer Sorge. Es war, als hätte ein Wunder sie berührt, aber trotzdem stimmt etwas nicht.
«Was ist geschehen?», fragte Cheng. Nang berichtete: «Nach deinem Gebet waren alle meine Symptome wie weggeblasen. Die körperlichen Beschwerden und meine innere Angst – alles war einfach weg!» – «Und warum wirkst du trotzdem so besorgt?», bohrte Cheng nach.
«Ich konnte meine Freude nicht für mich behalten, und erzählte einem der Geisterdoktoren von dem Wunder, das Gott für mich getan hatte. Da fuhr er völlig aus der Haut. Mit bösen Augen starrte er mich an und prophezeite: ‹Bevor ein Jahr um ist, wirst du im Grab vermodern!› Seitdem kann ich kaum noch schlafen. Ich habe solche Angst!»
Hat Jesus wirklich alle Macht?
Cheng zuckte innerlich zusammen. Er wusste: Drohungen von Schamanen sind keine leeren Worte. Er hatte von einigen Menschen gehört, bei denen ein solcher Fluch eingetroffen war. Gleichzeitig hatte er selber erlebt, dass die Autorität Jesu Christi der Macht der Geister überlegen ist.
«Lass uns noch einmal beten», schlug er vor. «Alles, was du mir gesagt hast, wollen wir zu Gott bringen. Dann werden wir sehen, ob er dir nicht hilft.» Dann ergänzte er: «Du musst aber auch selbst beten lernen. Dabei hilft es, wenn du die Bibel gut kennst. Ich kenne Menschen, die dir dabei helfen können.»
Mit dieser Bitte stand er nun vor mir. Eindringlich bat er mich, in Palang eine Bibelstudiengruppe zu gründen, damit Nang und andere Dorfbewohner Gott persönlich kennenlernen könnten.
Wandelt durch Glauben
Und so kam es dann. Nang fehlte nie. Oft kamen auch andere, um die Bibel chronologisch zu erforschen. Regelmässig beteten wir zusammen.
Ein Monat nach dem andern verging. Bald war ein Jahr vorbei, und Nang lebte noch immer. Es ging ihr besser als je zuvor. Ihr Gesicht war entspannter als früher. Oft sah man ein breites Lachen auf ihren Lippen. So hatten wir sie zuvor kaum gekannt.
Nach zwei Jahren Bibelstudium war sie soweit. Sie war zu einer Beterin geworden und hatte Jesus Christus ihr Leben bewusst anvertraut.
In einer Umgebung voller Angst und Not war ihre Freude über die Freiheit und den Frieden, den sie in Christus gefunden hatte, ein leuchtendes Zeugnis der Hoffnung.