Thailand ist ein ganz besonderer Ort, wenn es um Missionsarbeit und Gemeindebau geht. Es gibt nur wenige Länder, in denen christliche Missionsarbeit derart toleriert wird. Seit Jahren sind wir unter einem Religious-Affairs-Visum tätig. Wir sind hier, um die Botschaft der Bibel zu lehren – so steht es jeweils in unserer Arbeitsbewilligung.

Und doch bleibt Thailand eines der Länder mit dem weltweit geringsten Anteil an Christen – gerade einmal 0,75%. Hinzu kommt, dass beinahe die Hälfte der Christen in Thailand nicht aus dem thailändisch-buddhistischen Umfeld stammen, sondern zu mehrheitlich animistischen Minderheitsvölkern (Bergstämmen) im Norden des Landes gehören. So entsteht ein grosses Ungleichgewicht in der Verteilung von Christen und Kirchen.
Rund 45% aller Christen leben in den drei nördlichen Provinzen Chiang Mai, Chiang Rai und Mae Hong Son. Dort sind in etwa 6% der Bevölkerung Christen. In den übrigen 74 Provinzen sieht es indes ganz anders aus.
Gemeindebau im Wandel – oder doch nicht?
Betrachten wir die vergangenen 25 Jahre: Die Situation der Gemeinden und das Verständnis von Gemeindebau in Thailand haben sich spürbar verändert. Oder doch nicht? Um die Jahrtausendwende entstand eine Bewegung unter den Gemeindeleitern mit dem Ziel, dass bis 2010 jeder Amphur (Bezirk) zumindest eine Gemeinde haben sollte. Allmählich setzte sich die Überzeugung durch, dass es nicht genügt, sich nur um die eigene Gemeinde zu drehen oder maximal das unmittelbare Umfeld im Blick zu haben. Die Vision wuchs, mutiger evangelistisch aktiv zu sein und die buddhistische Bevölkerung gezielt mit der Botschaft von Jesus zu erreichen.

Man könnte denken, dass dies in einem Land mit so wenigen Christen eine Selbstverständlichkeit sei. Doch das war keineswegs der Fall. Um die Jahrtausendwende war es gar nicht selten, Gemeindeleitende zu treffen, die sagten: «Warum sollten wir neue Gemeinden gründen, wenn wir schon genug Probleme mit denen haben, die es bereits gibt?» Es ist erstaunlich, wie rasch sich Gemeinden so entwickeln können, dass sie vor allem mit sich selbst beschäftigt sind und ihre Programme innerhalb der eigenen vier Wände pflegen. Die Perspektive, aktiv Unerreichte mit dem Evangelium anzusprechen, kann rasch verloren gehen.
Mit der ‹Vision 2010› änderte sich das nach und nach. Die protestantischen Kirchen in Thailand schlossen sich zu einem Verbund zusammen und wurden gemeinsam evangelistisch tätig. Zwischen 2000 und 2015 verdoppelte sich die Zahl der Christen und Gemeinden in Thailand – Gott sei Dank! Während in den 1950-1990er Jahren die Initiative zur Gemeindeneugründung noch weitgehend von ausländischen Reich Gottes Arbeitern ausging, zeigen sich in den vergangenen 20 Jahren zunehmend Thai-Leiter und thailändische Denominationen verantwortlich dafür.
Visionsmüde?
Gleichwohl stellt sich auch die Frage: «Wesentlich verändert. Oder doch nicht?» Mehr als zwei Jahrzehnte sind seit dem Start der ‹Vision 2010› vergangen, und viele thailändische Christen wirken inzwischen visionsmüde. Konferenzen und Motivationsveranstaltungen laufen zwar noch, lösen aber nicht mehr jene frische, freudige Dynamik aus wie früher. Was motiviert uns wirklich? Woher nehmen wir unsere innere Kraft?

Die Corona-Krise bot in dieser Hinsicht eine interessante Erfahrung. In Thailand gab es bis Mitte 2022 Versammlungsverbote für grössere Treffen. Zahlreiche Gemeinden trafen sich weit über ein Jahr nur online. Das Hamsterrad kirchlicher Programme kam zum Stillstand. Mitunter führten diese Einschränkungen bei Leitenden zu Identitätskrisen. Doch jede Krise birgt auch eine Chance. Ein stärkeres Bewusstsein dafür wuchs, dass ‹evangelistisch aktiv sein› mehr bedeutet, als einfach Veranstaltungen zu organisieren und Menschen dazu einzuladen.
Die digitale Herausforderung – von online zu offline
Thailand weist bereits seit Jahren eine sehr hohe Internet- und Social-Media-Nutzung (s.a. Online-Glücksbringer in Thailand) auf. Die Not während der Covid-Krise hat Kirchen hier noch stärker für digitale Möglichkeiten sensibilisiert.
Inzwischen gibt es zahlreiche christliche Websites sowie YouTube- und TikTok-Kanäle, die evangelistisch genutzt werden. Die grösste Herausforderung bleibt jedoch die Überführung von online zu offline: Wie gelingt es, dass Menschen, die im Internet ein evangelistisches Video anschauen, schliesslich auch ihren Weg in eine lokale Gemeinde finden? An der Koordination der verschiedenen digitalen Initiativen arbeiten wir in Thailand noch.
Trotz einiger erfreulicher Bewegungen hier und dort zeigt sich Thailand dem Evangelium gegenüber insgesamt weiterhin recht passiv-resistent. Wir sehen jedoch auch, dass dort, wo das Evangelium regelmässig (Wiederholung ist wichtig) und klar verkündigt wird, immer wieder Menschen zum Glauben kommen. Dennoch braucht es viel – sehr viel – Säarbeit.
Chancen und Möglichkeiten für OMF Thailand
Wir von OMF Thailand beten daher für eine neue Generation von Gemeindegründern. Im Grundsatzpapier «Transformation through church planting» haben wir zusammengefasst, was wir unter Gemeindebau verstehen:
«Gemeindegründung bedeutet, jede Fähigkeit, Gabe oder Leidenschaft, die der Herr dir gegeben hat, dazu einzusetzen, damit Menschen die Gute Nachricht von Jesus Christus hören, die Liebe Gottes erfahren, zum Glauben kommen und Teil des Leibes Christi werden.»

Die Türen in Thailand stehen dafür weit offen; die Möglichkeiten sind fast grenzenlos. Und die Thai-Christen sowie ihre Kirchen wünschen sich weiterhin Unterstützung von Glaubensgeschwistern aus aller Welt, die Gott in diesen Dienst beruft.
Gesucht sind Leute, die bereit sind, sich demütig auf den langen Weg einzulassen und Thailands Sprache und Kultur gründlich zu erlernen. Wir suchen Mitarbeitende, welche die Thais und Thaigemeinden verstehen und lieben – und anschliessend Hand in Hand mit einheimischen Christen arbeiten. Das braucht in der Regel Jahre. Aber dort, wo wir uns darauf einlassen, erfahren wir, dass der Gemeindebau in Thailand geradezu unbegrenzte Perspektiven eröffnet.
